Was bedeutet Consequence & Impact?
Consequence ist die konkrete Folge eines Fehlers oder Missbrauchs. Impact beschreibt deren Schwere und Reichweite für Menschen, Unternehmen, Gesellschaft oder Umwelt. Bewertet wird nicht nur der Normalbetrieb, sondern auch realistisches Versagen.
Warum Fehlfolgen vor dem Go-live prüfen?
Priorisierung
Schwere Folgen erhalten stärkere Controls und frühere Behandlung.
Freigabe
Restrisiko und Go-live-Entscheidung werden nachvollziehbar.
Resilienz
Fallback, Stop, Recovery und Incident Response werden vorab geplant.
Verantwortung
Betroffene Schutzgüter und Risk Owner werden sichtbar.
Typisches Praxisbild
Ein AI-Assistent schlägt einem Serviceteam Antworten vor. Ein Halluzinationsfehler ist bei einer Öffnungszeit leicht korrigierbar; dieselbe Fehlerart kann bei Sicherheitsanweisungen Menschen gefährden. R-002 bewertet deshalb Kontext, Wirkung und Reversibilität, nicht nur die technische Fehlerquote.
Was BAIS systematisch abfragt
- Welche falschen, verzerrten oder fehlenden Outputs sind plausibel?
- Welche Personen, Prozesse, Vermögenswerte oder Rechte wären betroffen?
- Wie schwer wäre die direkte und indirekte Folge?
- Wie viele Fälle könnten gleichzeitig betroffen sein?
- Ist der Schaden erkennbar und vollständig reversibel?
- Wie schnell müsste reagiert werden?
- Gibt es besonders schutzbedürftige Personen?
- Kann derselbe Fehler systematisch skaliert werden?
- Welche Abhängigkeiten oder Kaskadeneffekte bestehen?
- Welches Restrisiko akzeptiert welcher Owner?
Konkrete Fehlfolge statt „KI kann Fehler machen“
„Das System könnte falsche Antworten liefern.“
- Kein Auslöser
- Keine Betroffenen
- Keine Auswirkung
- Keine Reaktion
„Eine veraltete Wissensquelle erzeugt eine falsche Vertragsauskunft. Kunden können finanzielle Nachteile erleiden. Vier-Augen-Freigabe, Quellenanzeige und täglicher Content-Check reduzieren das Risiko; Beschwerden lösen sofortige Sperrung aus.“
Impact über fünf Faktoren einordnen
Severity-Stufen: 0–2 gering · 3–5 moderat · 6–8 hoch · 9–10 kritisch. Kritische Einzelfolgen dürfen nicht durch Durchschnittswerte verdeckt werden.
Was eingerichtet und nachgewiesen wird
Wer trägt welche Verantwortung?
Welche Regelwerke berührt R-002?
- EU AI Act: Risikomanagement, Genauigkeit, Robustheit, Human Oversight und mögliche Auswirkungen des konkreten Einsatzes.
- DSGVO: Risiken für Rechte und Freiheiten; bei hohem Risiko kann eine Datenschutz-Folgenabschätzung erforderlich sein.
- ISO/IEC 42001: AI Impact Assessment, Risikobehandlung, Ziele und dokumentierte Freigaben.
- ISO/IEC 23894: Identifikation, Analyse, Evaluation, Behandlung und Monitoring von AI-Risiken.
Wie Impact technisch kontrolliert wird
- Fehlerszenarien in testbare Acceptance- und Red-Team-Cases übersetzen.
- High-Impact-Aktionen durch Berechtigungen und Vier-Augen-Prinzip begrenzen.
- Konfidenz, Quellenlage und Policy-Verstöße als Signale erfassen.
- Hard Stops, Rate Limits und erlaubte Aktionsräume definieren.
- Fallback auf sicheren manuellen Prozess bereitstellen.
- Output, Review, Override, Incident und Korrektur revisionsfähig protokollieren.
- KPI und Alerts an Schadensschwellen statt nur Verfügbarkeit koppeln.
- Rollback, Betroffeneninformation und Wiederherstellung regelmäßig testen.
Was Impact Assessments schwach macht
Sicher erklären, ohne Panik zu erzeugen
„R-002 beschreibt nicht nur, ob ein AI-System Fehler machen kann, sondern welche konkreten Folgen daraus entstehen: für wen, wie schwer, wie weitreichend und wie reversibel. Danach wählen wir passende Controls und lassen das verbleibende Risiko verantwortlich freigeben.“
„Dieselbe Modellabweichung kann je nach Prozess harmlos oder kritisch sein. Wir bilden deshalb plausible Fehl- und Missbrauchsszenarien, betroffene Schutzgüter, Schwere, Reichweite, Reversibilität und Reaktionszeit ab. Für hohe Auswirkungen brauchen wir stärkere Prävention, wirksame menschliche Kontrolle, Stop/Fallback, Monitoring und belastbare Nachweise.“
„Das passiert doch sehr selten.“
Eine geringe Wahrscheinlichkeit macht eine existenzielle oder irreversible Folge nicht automatisch akzeptabel. Schwere und Wahrscheinlichkeit werden getrennt betrachtet.
„Wir haben doch einen Disclaimer.“
Ein Hinweis kann Transparenz verbessern, ersetzt aber keine wirksame technische und organisatorische Risikobehandlung.
„Wir testen die Genauigkeit.“
Durchschnittliche Accuracy reicht nicht. Kritische Randfälle, Missbrauch, Kaskaden und Recovery müssen ebenfalls getestet werden.
R-002 ist vollständig, wenn …
- plausible Fehl-, Missbrauchs- und Ausfallszenarien beschrieben sind.
- Betroffene und Schutzgüter je Szenario feststehen.
- Schwere, Reichweite, Reversibilität, Geschwindigkeit und Wahrscheinlichkeit bewertet sind.
- kritische Extremfälle separat sichtbar bleiben.
- präventive, detektive und korrektive Controls definiert sind.
- Stop, Fallback, Recovery und Incident Response getestet sind.
- Evidence und offene Restrisiken dokumentiert sind.
- Risk Acceptance, Owner, Auflagen und Review-Termin vorliegen.