Was wird klassifiziert?
R-004 erfasst strukturierte und unstrukturierte Daten in Eingaben, Wissensquellen, Trainings-/Testdaten, Prompts, Outputs, Logs und Backups. Klassifiziert werden Personenbezug, Vertraulichkeit, Integritätsbedarf, Verfügbarkeit und zulässige Verarbeitung.
Warum AI-Datenflüsse besonders sorgfältig prüfen?
Zweckbindung
Daten dürfen nicht unkontrolliert für weitere AI-Zwecke verwendet werden.
Leakage
Prompts, Logs oder RAG-Antworten können vertrauliche Inhalte offenlegen.
Schutzbedarf
Controls müssen zur höchsten regelmäßig verarbeiteten Klasse passen.
Nachweis
Quelle, Rechtsgrundlage, Speicherort und Löschung werden prüfbar.
Typisches Praxisbild
Mitarbeitende kopieren Kundentickets in einen öffentlichen AI-Dienst. Darin stehen Namen, Vertragsdaten und interne Notizen. Selbst wenn der Anbieter kein Training verspricht, bleiben Rechtsgrundlage, Auftragsverarbeitung, Speicherort, Zugriff, Löschung und Datenminimierung zu prüfen.
Was BAIS im Datenfluss klärt
- Welche Daten gelangen über Prompt, Datei, API oder RAG ins System?
- Enthalten sie Personenbezug oder besondere Kategorien?
- Wer ist Data Owner und woher stammen die Daten?
- Für welchen Zweck und auf welcher Grundlage werden sie verarbeitet?
- Welche Anbieter, Regionen und Unterauftragnehmer erhalten Zugriff?
- Werden Inputs oder Outputs für Modelltraining verwendet?
- Was landet in Logs, Analytics, Embeddings und Backups?
- Welche Rollen dürfen welche Daten sehen?
- Wie funktionieren Aufbewahrung, Löschung und Betroffenenrechte?
- Welche neue Datenquelle löst eine Neubewertung aus?
Datenfluss statt pauschaler Aussage
„Wir verarbeiten nur interne Daten.“
- Keine Datenarten
- Keine Klassifizierung
- Keine Empfänger
- Keine Löschung
„Der RAG-Assistent verarbeitet freigegebene interne Richtlinien, keine Kundendaten. Quellen sind als INTERN klassifiziert. Prompts werden 30 Tage zugriffsgeschützt protokolliert; Provider-Training ist deaktiviert; neue Quellen benötigen Data-Owner-Freigabe.“
Vier praktische Schutzklassen
Die konkrete Klassifizierung richtet sich nach der Unternehmenspolicy. BAIS übernimmt vorhandene Klassen oder definiert eine nachvollziehbare projektspezifische Zuordnung.
Was eingerichtet und nachgewiesen wird
Wer trägt welche Verantwortung?
Welche Regelwerke berührt R-004?
- DSGVO: Rechtmäßigkeit, Zweckbindung, Datenminimierung, Transparenz, Speicherbegrenzung, Sicherheit und Betroffenenrechte.
- ISO/IEC 27001-orientiert: Informationswerte, Risikobehandlung, Zugriffssteuerung, Kryptografie, Lieferanten, Logging, Incident und Löschung.
- ISO/IEC 42001: AI-Datenmanagement, Verantwortlichkeit, Impact Assessment und dokumentierter Lebenszyklus.
- EU AI Act: Bei einschlägigen Systemen sind Daten-Governance, Qualität, Dokumentation und Logging relevant.
Wie Datenkontrolle technisch umgesetzt wird
- Datenflüsse inklusive Prompt, RAG, Log, Embedding und Backup modellieren.
- Vertrauliche Felder vor Provider-Aufruf entfernen oder pseudonymisieren.
- Quellen nach Klasse erlauben und getrennte Indizes bzw. Mandanten nutzen.
- Least Privilege, MFA, Service Accounts und regelmäßige Access Reviews einsetzen.
- Transport- und Speicherverschlüsselung sowie kontrollierte Schlüsselverwaltung nutzen.
- DLP-, Secret- und Output-Leakage-Tests automatisieren.
- Retention je Datentyp technisch erzwingen und Löschung verifizieren.
- Neue Quelle, Provider oder Region als Change- und Reassessment-Trigger setzen.
Was Daten-Governance schwach macht
Präzise statt pauschal antworten
„R-004 macht sichtbar, welche Daten über Prompt, Datei, API, RAG, Logs und Backups verarbeitet werden. Wir ordnen Schutzklasse, Zweck, Empfänger, Zugriff, Aufbewahrung und Löschung zu und leiten daraus DSGVO- sowie ISO/IEC-27001-orientierte Controls ab.“
„Bei AI entstehen Datenkopien und Ableitungen an Stellen, die leicht übersehen werden: Chatverläufe, Embeddings, Telemetrie und generierte Outputs. Deshalb modellieren wir den vollständigen Datenfluss, klassifizieren nach Schutzbedarf, minimieren oder pseudonymisieren, begrenzen Zugriff und Provider-Nutzung, prüfen Leakage und dokumentieren Retention und Löschung.“
„Der Provider ist DSGVO-konform.“
Eine Provider-Aussage ersetzt nicht die Prüfung des konkreten Zwecks, Vertrags, Datenflusses, der Konfiguration und der Verantwortlichkeiten.
„Wir anonymisieren später.“
Schutzmaßnahmen müssen vor oder spätestens bei der Verarbeitung wirksam sein; echte Anonymisierung ist zudem technisch anspruchsvoll.
„ISO 27001 haben wir nicht.“
Controls können trotzdem ISO/IEC-27001-orientiert aufgebaut werden. Eine Zertifizierung wird weder vorausgesetzt noch behauptet.
R-004 ist vollständig, wenn …
- alle Datenquellen, Ableitungen, Empfänger und Speicherorte erfasst sind.
- Personenbezug, besondere Kategorien und Vertraulichkeit klassifiziert sind.
- Zweck, Grundlage, Data Owner und zulässige Nutzung dokumentiert sind.
- Minimierung, Pseudonymisierung und Provider-Training geprüft sind.
- RBAC, Verschlüsselung, DLP und Leakage-Tests funktionieren.
- Retention, Löschung, Backup und Betroffenenprozesse nachweisbar sind.
- AVV, Lieferkette und Drittlandbezug geprüft wurden.
- Evidence, Review-Zyklus und Change-Trigger vorliegen.