01 · NEDİR / DEFINITION

Was wird klassifiziert?

R-004 erfasst strukturierte und unstrukturierte Daten in Eingaben, Wissensquellen, Trainings-/Testdaten, Prompts, Outputs, Logs und Backups. Klassifiziert werden Personenbezug, Vertraulichkeit, Integritätsbedarf, Verfügbarkeit und zulässige Verarbeitung.

Kernsatz: Nicht nur hochgeladene Dateien zählen. Auch Prompts, Chatverläufe, Embeddings, Metadaten und generierte Antworten können schutzbedürftige Informationen enthalten.
02 · WARUM RELEVANT?

Warum AI-Datenflüsse besonders sorgfältig prüfen?

Zweckbindung

Daten dürfen nicht unkontrolliert für weitere AI-Zwecke verwendet werden.

Leakage

Prompts, Logs oder RAG-Antworten können vertrauliche Inhalte offenlegen.

Schutzbedarf

Controls müssen zur höchsten regelmäßig verarbeiteten Klasse passen.

Nachweis

Quelle, Rechtsgrundlage, Speicherort und Löschung werden prüfbar.

03 · KUNDENSITUATION

Typisches Praxisbild

Mitarbeitende kopieren Kundentickets in einen öffentlichen AI-Dienst. Darin stehen Namen, Vertragsdaten und interne Notizen. Selbst wenn der Anbieter kein Training verspricht, bleiben Rechtsgrundlage, Auftragsverarbeitung, Speicherort, Zugriff, Löschung und Datenminimierung zu prüfen.

Warnsignal: „Wir laden keine Datenbank hoch“ bedeutet nicht, dass keine personenbezogenen oder vertraulichen Daten verarbeitet werden.
04 · DISCOVERY-FRAGEN

Was BAIS im Datenfluss klärt

  1. Welche Daten gelangen über Prompt, Datei, API oder RAG ins System?
  2. Enthalten sie Personenbezug oder besondere Kategorien?
  3. Wer ist Data Owner und woher stammen die Daten?
  4. Für welchen Zweck und auf welcher Grundlage werden sie verarbeitet?
  5. Welche Anbieter, Regionen und Unterauftragnehmer erhalten Zugriff?
  6. Werden Inputs oder Outputs für Modelltraining verwendet?
  7. Was landet in Logs, Analytics, Embeddings und Backups?
  8. Welche Rollen dürfen welche Daten sehen?
  9. Wie funktionieren Aufbewahrung, Löschung und Betroffenenrechte?
  10. Welche neue Datenquelle löst eine Neubewertung aus?
05 · GUTE / SCHLECHTE BEISPIELE

Datenfluss statt pauschaler Aussage

NICHT AUSREICHEND

„Wir verarbeiten nur interne Daten.“

  • Keine Datenarten
  • Keine Klassifizierung
  • Keine Empfänger
  • Keine Löschung
BELASTBAR

„Der RAG-Assistent verarbeitet freigegebene interne Richtlinien, keine Kundendaten. Quellen sind als INTERN klassifiziert. Prompts werden 30 Tage zugriffsgeschützt protokolliert; Provider-Training ist deaktiviert; neue Quellen benötigen Data-Owner-Freigabe.“

06 · BEWERTUNG

Vier praktische Schutzklassen

ÖFFENTLICHFreigegebene Inhalte ohne besonderen Vertraulichkeitsbedarf.
INTERNBetriebsinformationen für einen begrenzten Nutzerkreis.
VERTRAULICHPersonen-, Kunden-, Vertrags- oder Geschäftsgeheimnisdaten.
STRENG VERTRAULICHBesondere Kategorien, Geheimnisse oder Daten mit hohem Schadenspotenzial.

Die konkrete Klassifizierung richtet sich nach der Unternehmenspolicy. BAIS übernimmt vorhandene Klassen oder definiert eine nachvollziehbare projektspezifische Zuordnung.

07–08 · CONTROLS & EVIDENCE

Was eingerichtet und nachgewiesen wird

ControlEvidence / Nachweis
Dateninventar und Flow MapQuelle, Zweck, Empfänger, Region, Speicher und Löschung
Classification & Handling RulesFreigegebene Matrix und Kennzeichnung
Minimierung / PseudonymisierungTransformation, Filtertest und Stichprobe
RBAC, Verschlüsselung, SecretsKonfiguration, Access Review und Key Management
DLP und Prompt-/Output-FilterRegeln, Testfälle, Alerts und Incidents
Retention und LöschungLöschkonzept, Job-Protokoll und Restore-Prüfung
09 · OWNER / RACI

Wer trägt welche Verantwortung?

R · ResponsibleData Owner pflegt Inventar, Klasse und zulässige Verwendung.
A · AccountableBusiness Owner genehmigt Datenbedarf und Restrisiko.
C · ConsultedDatenschutz, IT Security, Legal, AI/ML und Records Management.
I · InformedBetrieb, Support, Incident Response und betroffene Fachbereiche.
10–11 · DSGVO / ISO / EU AI ACT

Welche Regelwerke berührt R-004?

  • DSGVO: Rechtmäßigkeit, Zweckbindung, Datenminimierung, Transparenz, Speicherbegrenzung, Sicherheit und Betroffenenrechte.
  • ISO/IEC 27001-orientiert: Informationswerte, Risikobehandlung, Zugriffssteuerung, Kryptografie, Lieferanten, Logging, Incident und Löschung.
  • ISO/IEC 42001: AI-Datenmanagement, Verantwortlichkeit, Impact Assessment und dokumentierter Lebenszyklus.
  • EU AI Act: Bei einschlägigen Systemen sind Daten-Governance, Qualität, Dokumentation und Logging relevant.
12 · TECHNISCHE UMSETZUNG

Wie Datenkontrolle technisch umgesetzt wird

  • Datenflüsse inklusive Prompt, RAG, Log, Embedding und Backup modellieren.
  • Vertrauliche Felder vor Provider-Aufruf entfernen oder pseudonymisieren.
  • Quellen nach Klasse erlauben und getrennte Indizes bzw. Mandanten nutzen.
  • Least Privilege, MFA, Service Accounts und regelmäßige Access Reviews einsetzen.
  • Transport- und Speicherverschlüsselung sowie kontrollierte Schlüsselverwaltung nutzen.
  • DLP-, Secret- und Output-Leakage-Tests automatisieren.
  • Retention je Datentyp technisch erzwingen und Löschung verifizieren.
  • Neue Quelle, Provider oder Region als Change- und Reassessment-Trigger setzen.
13 · HÄUFIGE FEHLER

Was Daten-Governance schwach macht

Prompts nicht als Daten betrachtetLogs und Backups vergessen„Intern“ ohne SchutzklasseProvider-Training ungeprüftLöschung nur im FrontendNeue RAG-Quelle ohne Freigabe
14–17 · EINWÄNDE & KUNDENGESPRÄCH

Präzise statt pauschal antworten

30 SEKUNDEN

„R-004 macht sichtbar, welche Daten über Prompt, Datei, API, RAG, Logs und Backups verarbeitet werden. Wir ordnen Schutzklasse, Zweck, Empfänger, Zugriff, Aufbewahrung und Löschung zu und leiten daraus DSGVO- sowie ISO/IEC-27001-orientierte Controls ab.“

2 MINUTEN

„Bei AI entstehen Datenkopien und Ableitungen an Stellen, die leicht übersehen werden: Chatverläufe, Embeddings, Telemetrie und generierte Outputs. Deshalb modellieren wir den vollständigen Datenfluss, klassifizieren nach Schutzbedarf, minimieren oder pseudonymisieren, begrenzen Zugriff und Provider-Nutzung, prüfen Leakage und dokumentieren Retention und Löschung.“

„Der Provider ist DSGVO-konform.“

Eine Provider-Aussage ersetzt nicht die Prüfung des konkreten Zwecks, Vertrags, Datenflusses, der Konfiguration und der Verantwortlichkeiten.

„Wir anonymisieren später.“

Schutzmaßnahmen müssen vor oder spätestens bei der Verarbeitung wirksam sein; echte Anonymisierung ist zudem technisch anspruchsvoll.

„ISO 27001 haben wir nicht.“

Controls können trotzdem ISO/IEC-27001-orientiert aufgebaut werden. Eine Zertifizierung wird weder vorausgesetzt noch behauptet.

18 · ABSCHLUSS-CHECKLISTE

R-004 ist vollständig, wenn …

  • alle Datenquellen, Ableitungen, Empfänger und Speicherorte erfasst sind.
  • Personenbezug, besondere Kategorien und Vertraulichkeit klassifiziert sind.
  • Zweck, Grundlage, Data Owner und zulässige Nutzung dokumentiert sind.
  • Minimierung, Pseudonymisierung und Provider-Training geprüft sind.
  • RBAC, Verschlüsselung, DLP und Leakage-Tests funktionieren.
  • Retention, Löschung, Backup und Betroffenenprozesse nachweisbar sind.
  • AVV, Lieferkette und Drittlandbezug geprüft wurden.
  • Evidence, Review-Zyklus und Change-Trigger vorliegen.